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Interview: Wegen Notwehr gegen Neonazi in Haft: Wie rassistisch ist die Justiz in der Slowakei? jW sprach mit Mario Bango. Der 20jährige Antifaschist gehört der Volksgruppe
der Roma an. Er ist seit dem 10. März 2001 in einem Gefängnis im slowakischen
Bratislava inhaftiert, im November 2003 wurde er wegen »versuchten Mordes« verurteilt Vor drei Jahren wurde mein Bruder von dem stadtbekannten Skinhead Branislav Slamka überfallen. Als ich meinem Bruder helfen wollte, kam es zu einer Auseinandersetzung. Der Neonazi stürzte zu Boden und zog sich eine schwere Kopfverletzung zu. Ich alarmierte sofort die Polizei und den Rettungsdienst. Dann wurde ich an Ort und Stelle festgenommen. Einige Wochen später ist Slamka aufgrund eines Kunstfehlers verstorben: Die Ärzte hatten ein Blutgerinsel in seinem Gehirn übersehen. Bis zu meinem Prozeß saß ich in Untersuchungshaft. F: Wie ist Ihr Prozeß verlaufen? Das Urteil ist eindeutig politisch motiviert. Der Richter machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen mich. bezeichnend war auch, daß die Angehörigen von Slamka von Robert Fico, dem Vorsitzenden der rassistischen und rechtspopulistischen Partei SMER, juristisch vertreten wurde. Das Urteil, zwölf Jahre Haft, ist absurd. Ich habe meinen Bruder in Notwehr verteidigt. F: Wie sind die Haftbedingungen? Es ist alles andere als leicht. Anfangs drohten Gefängniswärter, die mit den Neonazis sympathisieren, mir das Leben zur Hölle zu machen. Das änderte sich erst durch den Druck der internationalen Solidaritätskampagne. Seitdem werde ich in Ruhe gelassen. Daß ich nur einmal im Monat für weniger als eine Stunde Besuch und nur ein Paket in drei Monaten empfangen darf, ist besonders hart. F: Was bekommen Sie von den Solidaritätsbekundungen mit? Durch Briefe, meinen Rechtsanwalt und die wenigen Besuche bin ich halbwegs auf dem laufenden. Die Unterstützung durch weltweit Hunderte Organisationen motiviert mich sehr. Daß der slowakische Präsident Rudolf Schuster auf die an ihn adressierten Protestbriefe geantwortet hat, zeigt die Stärke des internationalen Drucks. In der Slowakei ist die Situation aber leider eine andere. In den Medien wurde gegen mich und meinen Bruder gehetzt: Wir seien Diebe, die der »aufrechte Bürger« – also der Neonazi – am Diebstahl hindern wollte. Das ist das gängige Bild, wie es von den Roma gezeichnet wird. Bezeichnend für das rassistische Klima ist die Tatsache, daß das slowakische Parlament auf Antrag eines konservativ-nationalistischen HZDS-Abgeordneten eine Schweigeminute für den toten Neonazi eingelegt hat. F: Sind Roma öfter Opfer von Übergriffen? Mein Bruder wurde schon einmal von Neonazis überfallen und lag danach zwei Wochen im Krankenhaus. Roma sind praktisch Freiwild. Nur zwei Beispiele: Der 51jährige Karol Sendrei wurde auf einer Polizeistation zu Tode geprügelt. Der Jugendliche Milan Daniel wurde von drei Skinheads mit Baseballschlägern erschlagen. Auf die Frage nach den Gründen für den Mord, gaben die Skinheads zur Antwort: »Weil er ein Roma war!« |
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